Bootyoga

Meinen letzten Urlaub verbrachte ich auf einem Boot in der Türkei. Es war das erste Mal, dass ich einen Urlaub auf einem Boot machte. Für einen Yogi wie mich eine echte Herausforderung, denn ohne meine Matte gehe ich nirgends hin. Auf dem Boot gab es nur einen Platz vorne, wo ich eventuell meine Matte ausbreiten konnte. Auch sprach ich kurz mit meiner Yogalehrerin in Sydney darüber, die vorschlug, dass ich meine Übungspraxis auf sitzende Asanas und Sutras beschränken könnte. Im Gepäck hatte ich meine Matte, zwei Blöcke und einen Gurt. 

Dort angekommen, gönnte ich mir am ersten Tag eine Yogapause, um mich an das schwankende Schiff und die Umgebung zu gewöhnen. Am zweiten Morgen begab ich mich auf das Bug und suchte ein Plätzchen für meine Matte, eingeklemmt zwischen der Reling und einer Erhebung in der Mitte des Bootes. Ich begann mich in einem simplen Svastikasana auf die Erhebung zu setzen, Oberschenkel und Leisten entspannt, Oberkörper und Brustkorb aufgerichtet und Schultern nach hinten unten gerollt. Ich fügte Armhaltungen dazu, wie Baddanguyliasana, Garudasana, Paschima Namaskarasana. Meine Übungspraxis begann ich in gewohnter Weise mit Adho Mukha Virasana, Uttanasana und Adho Mukha Svanasana. Anstatt der Umkehrhaltungen machte ich nochmal Schulteröffnungen im Stehen. 

Ich begann zu experimentieren und Wege zu finden, wie und wo auf dem Boot ich die Asanas am besten ausführen konnte. Für die Stehhaltungen stellte ich mich vor den Tisch hinten am Boot, an dem ich mich festhalten konnte. Es gelang mir sogar ein Parivritta Trikonasana zu üben. Für Vrksasana fand ich eine Variante, bei der ich mich am Mast festhielt (siehe angehängtes Foto). Für die sitzenden Übungen und Hüftöffner war es einfacher, ich musste nur einen Punkt auf dem Boot finden, der einigermaßen eben war. Liegend konnte ich Supta Padangusthasana und ein paar Abdominals machen, wie Urdhva Prasarita Padasana und Jathara Parivatasana und natürlich auch Schulteröffnungen in Supta Tadasana. Sitzende Asanas, Vorbeugen und Drehübungen waren unproblematisch, wenn der Wind nicht die Wellen zu hochschlug. 

Für die Rückbeugen übte ich den Sonnengruß, Ustrasana, Chatush Padasana und schaffte sogar ein Urdhva Dhanurasana. Für die Restoratives beschränkete ich mich auf Supta Baddha Konasana über zwei Blöcke, Supta Virasana und Setu Bandha mit einem Block unter dem Kreuzbein gefolgt von Viparita Karani. Mit den Umkehrhaltungen war es leider nicht so einfach und ich musste warten bis wir an Land waren. Den Kopfstand konnte ich nur einmal üben. Pranayama war gut möglich, sowohl im Sitzen als auch im Liegen. 

Ich war erstaunt, wie viel auf dem Boot möglich war. Beispielsweise konnte ich meiner Tante, die an Neuropathie leidet, viele Übungen zeigen, die sie auf dem Boot machen konnte. Neuropathie ist eine Nervenerkrankung, die dazu führt, dass Nerven absterben, was zu Kribbeln und Gefühlsverlusten in den Extremitäten führt, weil dort die Muskulatur nicht mehr richtig arbeitet. Ich stellte ihr ein kleines Programm zusammen, dass sie über die langen Sommermonate bequem auf dem Boot üben konnte. Besonders Asanas, die die Fußsohlen dehnten und Leben in die Extremitäten brachten, waren gut für sie, z.B. Virasana oder Supta Padangusthasana. Die Stehübungen, die sie aufgrund ihrer Schwierigkeiten mit der Balance nicht frei machen konnte, übte sie am Tisch, an dem sie sich festhielt. 

Fazit war, dass ich jederzeit einen Urlaub auf dem Boot machen würde und nicht auf mein Yogaprogramm verzichten musste. Ich kann jeden dazu ermuntern, seine Yogamatte mitzunehmen, egal wohin es geht. Es finden sich immer Wege. Natürlich habe ich auch die Seele baumeln lassen, viel gelesen und geschwommen. Ein wunderbar erholsamer Urlaub!